Werken

Metallbearbeitung in den Klassen 9 und 10
»Lerne und arbeite«

Ein ganz eigener, würzig-herber Geruch nach Schwefel und Eisen steigt einem in die Nase, nähert man sich der Schmiede. Hell erklingt der Schlag des Hammers auf den Amboss. Dumpf vibriert der Boden der in Dämmerlicht gehüllten Werkstatt, in deren einen Ecke das Feuer in der Esse fackelt. Mit festem Stand steht der Schmied vor dem Feuer und blickt in die Glut, in die er das Eisen hält. Zwei »Gesellen« stehen rechts und links neben dem Amboss ihm zur Seite. Alle sind präsent für den Augenblick: Jetzt! Der Schmied zieht das glühende Eisen aus der Kohle, streicht blitzschnell die Schlacke am Amboss ab und setzt den ersten Schlag zielsicher und präzise. In kurzer Folge wechseln sich nun Schmied, erster und zweiter Geselle mit den Schlägen ab, wobei der Schmied stets »den Ton« angibt. Ist der Meister unsicher, werden es auch die »Gesellen« sein, meinen sie mitreden zu wollen, geht bald gar nichts mehr, wird das Eisen kalt, ehe es bearbeitet wurde. Beim Schmieden müssen alle Beteiligten wortlos miteinander kommunizieren, aufeinander eingehen und Rücksicht nehmen können. Die Verteilung der Rollen wechselt, jeder ist für jeden verantwortlich. Daher ist gerade das Schmiedehandwerk von besonderem pädagogischem Wert. Das Gelingen des Vorhabens ist von jedem einzelnen abhängig. Hier werden Teamfähigkeit und Führungsqualitäten in ihren Grundlagen angelegt! Außerdem werden Geistesgegenwart und Konzentration geschult.

Aber nicht nur das Schmieden fasziniert unsere Schüler. Auch das Kupfertreiben, das in den Klassen 9 und 10 unterrichtet wird, gehört dazu. Dabei wird das Kupferblech »kalt geschmiedet« und mit Hilfe des Treibens und des Stauchens erlernt. Beim Kupfertreiben geht die Arbeit nur voran, wenn der eigene Rhythmus gefunden wird. Nur viele gleichmäßige, gezielte Schläge verändern das Blech: will man zu viel auf einmal, entstehen Falten, ist man zu zaghaft, dann geht es zu wenig voran.

Aus unserem Alltagsleben ist das Metall nicht wegzudenken. Vom Türgriff über das Essbesteck bis hin zum Auto – überall hat der Mensch Metalle in seinen Dienst gestellt. Eisen, Kupfer, Zinn, Messing, Aluminium. Aber kennen wir sie wirklich in ihren Eigenschaften? Kennen wir ihre Gewichte, ihre Härte, Elastizität, Formbarkeit, Schmelzpunkte? All das wird neben der Metallverarbeitung vermittelt.

Mit den Worten Rudolf Steiners gilt für unseren Werk-Unterricht:
»...Vorwärts kommen wir nur, wenn wir den Willen haben zum Lernen, wenn wir den Mut haben, das Gelernte ins Leben einzuarbeiten. Nur aus diesem Willen und aus diesem Mut kann die neue Devise entspringen:
Ich will lernen, ich will arbeiten.
Ich will lernend arbeiten.
Ich will arbeitend lernen.«